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Eine Zeitleiste: vom Latein zum heutigen Spanisch
Zweiundzwanzig Jahrhunderte in einem Faden: das römische Hispanien, die Westgotenreiche, al-Andalus, der Aufstieg des Kastilischen im Norden, Alfons X., Nebrija 1492, die Sibilantenverschiebung, die Akademien — und eine Sprache, deren Schwerpunkt heute amerikanisch ist.
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Erklärung
218 v. Chr.: Rom landet in Hispanien; binnen zweier Jahrhunderte hat das Latein die einheimischen Sprachen bis auf das Baskische verdrängt. 409–711: Sueben, Vandalen und Westgoten regieren die Halbinsel von Toledo aus und sprechen binnen weniger Generationen selbst Latein. 711: Die muslimische Eroberung macht den größten Teil der Halbinsel zu al-Andalus, wo Arabisch zur Kultursprache wird, während daneben weiter eine romanische Volkssprache (das Mozarabische) gesprochen wird. Um das 9. und 10. Jahrhundert erscheint das Kastilische als Sprechweise einer kleinen nördlichen Grafschaft um Burgos — ein Grenzdialekt im Kontakt mit dem Baskischen, dem niemand Bedeutung zutraute.
Dort beginnt die schriftliche Überlieferung: Die Glosas Emilianenses aus San Millán de la Cogolla und die Kartulare von Valpuesta bewahren die ältesten romanischen Formen der Region — welcher Text den Titel 'erstes Spanisch' verdient, ist bis heute umstritten. Um 1200 entsteht der Cantar de mio Cid. Im 13. Jahrhundert macht Alfons X. der Weise das Kastilische zur Sprache des Rechts, der Geschichte, der Astronomie und der Übersetzung und legt eine einigermaßen einheitliche Rechtschreibung fest. 1492 veröffentlicht Antonio de Nebrija die erste Grammatik einer modernen europäischen Volkssprache — im selben Jahr fällt Granada und Kastilien erreicht Amerika.
Das 16. und 17. Jahrhundert bringen den reajuste de las sibilantes, die Neuordnung der Zischlaute, aus der sowohl die iberische distinción von s und z als auch der seseo Andalusiens und Amerikas hervorgeht, während das aus lateinischem F- ererbte gehauchte h verstummt. Die Real Academia Española wird 1713 gegründet, die Orthografie im 19. Jahrhundert reformiert, und 1951 macht die Vereinigung der Akademien die Norm zu einem gemeinsamen panhispanischen Projekt. Heute hat Spanisch rund 500 Millionen Muttersprachler, die große Mehrheit davon in Amerika — die Norm wird also zwischen 23 Akademien ausgehandelt statt aus Madrid diktiert.
Beispiele
Mit der Hilfe unseres Herrn Christus…
Aus seinen Augen, so heftig weinend…
Die Sprache war stets die Gefährtin des Reiches.